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Es herrscht ein Konsenz darüber, dass
Reiten im Sinne von "einen Menschen auf dem Pferderücken ohne
viel Einwirkung von A nach B transportieren", älter als das
Fahren ist. Direkt nachweisbar ist es jedoch nicht. Hinweise existieren
aus den kupferzeitlichen Kulturen von Dereivka, Botai und
Sredni-Stog. (ca. 3500/4000 v. Chr.) Abriebspuren an Pferdezähnen
deuten auf eine Art Trense hin, die von hinten geführt wurde. Da
jedoch noch 500 Jahre bis zur Erfindung des Rades vergehen sollten, kann
es sich nur um einen Travois oder Reiter gehandelt haben.
Etwa zeitgleich (neolithische Megalithkultur) wurden in Andalusien
Ritzzeichnungen von Pferden mit Reitern erstellt.
Die älteste anerkannte bildliche Darstellung, die das Reiten eines Equiden
zeigt, stammt aus Susa und wird auf 2800 v. Chr. datiert. Ob es
sich um ein echtes Pferd handelt gibt die Ritzzeichnung nicht eindeutig
wieder. Eigentlich waren um die Zeit in jenem Gebiet noch keine Pferde,
sondern nur Onager verbreitet. 2155 v. Chr. gibt es in China die
erste schriftliche Referenz auf das Reiten. Ab 1800 v. Chr. tauchen
öfter Darstellungen auf und ca. 1200 v. Chr. scheint das Reiten das
Fahren im militärischen Bereich abgelöst zu haben. Die ersten Reitlehren
- Peri hippikes und Hipparchikos - sind ca. 369 v. Chr. von dem griechischen Reitergeneral Xenophon
überliefert. Das vollständige Werk Peri hippikes ist erstaunlich fortschrittlich, hat in vielen
Bereichen noch heute Gültigkeit.
Wann trat der Seitsattel das erste mal auf? Das ist unbekannt. Der Seitsitz
ist vermutlich so alt wie das Reiten. Bereits bei den alten spanischen
Ritzzeichnungen scheinen Reiter im Quersitz zu sitzen. Bei einem Ritt auf ungesatteltem
Pferd pflegen selbst bei Pferden mit ausgeprägter Rückenmuskulatur,
menschliches Steißbein und equine Wirbelsäule nach einiger Zeit
schmerzhaft aneinander zu geraten. Sich für einige Zeit seitlich
zu setzen, trägt erheblich zur Entspannung und Erholung bei.
Einen
objektiven Überblick über die Entwicklung und die gesellschaftliche Bedeutung
des Seitsattels zu geben, ist schwierig. Historische Dokumente werden
meist von der heutigen Warte aus beurteilt, ohne Rücksicht auf den
tatsächlichen zeitgeschichtlichen Kontext zu nehmen. Es wird das heutige
Wertesystem in Ansatz gebracht, das vieles in einem falschen Licht erscheinen
lässt. Was im Mittelalter als Fortschritt oder Gerechtigkeit empfunden wurde,
wird heute als rückständig und ungerecht angesehen. Dazu kommt, dass die
Dokumentation über den Seitsattel über viele Jahrhunderte aus einer
Gesellschaft kam, in der mehr Menschen reiten, als lesen oder schreiben konnten.
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Ursprünge
Die Ursprünge des Seitsattels liegen im Dunklen. Es wird vermutet, dass
dieser Sattel im Nahen Osten seinen Ursprung hat. Bereits auf
assyrischen Reliefs sind Reiterinnen im Quersitz zu sehen. Die älteste
uns bekannte Statue (ca 1200 v. Chr.) stammt von den Syro-Hethitern.
Es kann jedoch auch in Betracht gezogen werden, dass der Seitsitz(Quersitz)
ursprünglich nicht für das Reiten von Pferden, sondern für das Reiten
von Eseln entwickelt wurde. Sollte dies zutreffend sein, dann
liegt der Ursprung dieser Reitweise möglicherweise in Ägypten, wo ca 4000
v. Chr. der Esel domestiziert wurde. Noch heute werden Esel im
Mittelmeerraum von Erwachsenen überwiegend im Quersitz
geritten.
Hinweise auf das Reiten im Seitsitz sind
auch nach 1200 v. Chr. selten,
einige finden sich allerdings. Zum Beispiel das obenstehende
griechische Relief aus dem 6. Jahrhundert
vor Chr., wo die mythische Europa im Seitsitz auf dem Stier sitzt.
Später berichteten die Römer Strabo und Aelian von den Saracorern und
Caramaniern in Libyen, welche seitwärts auf Eseln
sitzend in den Kampf gezogen sein sollen (dann aber vermutlich abstiegen).
Cybele, eine der Muttergöttinnen des nahen und mittleren
Ostens, wurde oft im Quersitz auf einem Pferd sitzend dargestellt.
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Klassisches
Altertum
Römerinnen
und Griechinnen wurden selten zu Pferd abgebildet, dann aber sowohl im Spreizsitz als auch im Quersitz ohne
Sattel bzw. auf einem stuhlähnlichen "Sattel".
In
der Frühzeit wurden zunächst nicht echte Sättel mit hölzernem
Sattelbaum benutzt,
sondern Pferdedecken (Ephippium) oder symmetrische Kissen, ohne Steigbügel oder
Fußbrett. Diese "Sättel" konnten sowohl im Spreizsitz als auch im
Quersitz von links oder von rechts gesessen werden
konnten. Deshalb sind Darstellungen nicht spiegelverkehrt, in
denen die Reiterin oder der Reiter nach rechts sitzt.
Der erste Sattel mit hölzernem Sattelbaum war wohl der Packsattel. Von
ihm lassen sich sowohl Sättel in der Art der mongolischen Sättel, römischen
Zivilsättel als auch die stuhlartigen Quersättel bautechnisch ableiten.
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Skythen und Steppenvölker Die Amazonen der Antike, skythische und sarmatische Kriegerinnen,
ritten allgemein nicht im Seitsitz. Die Verbindung besteht nur darin, dass kurioserweise
Reiterinnen der Neuzeit, die im Seitsattel ritten,
"Amazonen" genannt wurden. Ironie der Geschichte:
eine skythische Darstellung des Quersitzes zeigt einen Mann zu Pferd.
Skythisches Sattel- und Zaumzeug,
welches in Gräbern (Kurganen)
gefunden wurde, war von einer technischen Qualität, die erst wieder im Mittelalter erreicht wurde. Sie benutzten den Steigbügel mindestens
500 Jahre bevor sich
diese "Neuerung" im frühen Mittelalter durchsetzte.
Skythen/Innen
benutzten Sättel zu einer Zeit, als die Griechen bestenfalls eine Decke
(Ephippium) auf den Pferderücken legten. Für diese Völker war das
Reiten, kein Sport, sondern ein Lebensstil. Frauen und Kinder waren genauso
ständig zu Pferd wie die Männer.
Die Pferde der Skythen waren, anders als die von
Xenophon bevorzugten lippizaner - und andalusierähnlichen Typen, die
Vorfahren der modernen Yaboo, Achal-Tekkiner und Vollblüter. In der
Anfangszeit ritten sie noch Tarpane, bzw. Pferde, die dem Tarpan und
heutigem Sorraiapferd sehr
nahe standen.
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Kelten
Im
Nordwesten Europas sind Reliefs und Figuren verbreitet, die keltische
Pferdegöttinnen (meist Epona) im Seitsitz zu Pferde darstellen.
Dies erscheint in verschiedener Hinsicht von Bedeutung zu sein.
Seit dem
19. Jahrhundert wird nun die Auffassung vertreten, der "züchtige"
Seitsitz sei die "sittsame Art des Reitens" für
Frauen. Nun fehlte aber der antiken keltischen Kultur jeder
Anflug von Prüderie. Im Gegenteil, Fruchtbarkeitskulte waren
verbreitet.
So war auch die Rolle der keltischen Frau keine
untergeordnete. Dies alles spricht dagegen, dass die Kelten - wie
später die
viktorianischen Zeitgenossen - glaubten mit dem Seitsitz die
"Tugend" der Frauen zu erhalten.
Wahrscheinlicher ist, dass
der Quersitz zeremoniellen Charakter hatte. Epona sitzt meist nach
rechts (manchmal auch halbnackt). Dieselbe Art des Formalismus findet
sich auch in späteren byzantinischen und karolingischen Darstellungen
der Maria, die ebenfalls nach rechts sitzend, im Quersitz dargestellt
wurde. Dies kann natürlich Zufall sein, aber viel vom Kult der
Muttergöttinen ist in den Marienkult eingeflossen, so auch einige
Symbolismen.
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Bei unserem historischen Abriss ist folgendes zu beachten: Verschiedene Techniken und Sättel
existierten stets nebeneinander, wie auch
heutzutage. Das erste "echte"
Auftreten ist in der Regel nicht eindeutig dokumentierbar, selbst wenn man
dafür nicht sehr weit in die Vergangenheit zurückgehen muss. Eine weitere Schwierigkeit
liegt in der Tendenz Selbstverständliches nicht zu dokumentieren. Wozu
auch? Was jeder kennt ist in der Regel nicht interessant genug, um es für die
Nachwelt festzuhalten.
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