Start

 |   |   | 

Reitkleidung der Vergangenheit und ihre Verbreitung
Ursprünglich  wurde dieser Artikel als Leitfaden für unsere jungen Reiterinnen geschrieben, deshalb die Ausführlichkeit und persönliche Ansprache.


Kostümkunde - Vorwort
In gewisser Weise spiegelt die Verwendung von Reitkleidung die Bedeutung des Reitens für die Menschen wieder. So wie heute niemand auf die Idee kommen würde besondere Kleidung für die Benutzung des Autos anzuziehen, gab es auch keine festgeschriebene Reitkleidung solange das Pferd das vorrangige Mittel für den Personentransport war. Andersherum - als Autofahren noch etwas besonderes war, an der Wende 19./20. Jahrhundert, gab es spezielle Kleidung für Autofahrer.
     
 
Was wir heute als Reitkleidung in alten Stichen, Illuminationen und Gemälden identifizieren ist oft in Wirklichkeit Alltagskleidung, Reisekleidung, Jagdkleidung oder sogar prachtvolle Hoftracht, die zu Pferde getragen wurde. Die Reiterinnen kleideten sich dem Anlass entsprechend und nicht nach der Tätigkeit - dem Reiten. Dies ergibt in Folge natürlich ein uneinheitliches und teils auch verzerrtes Bild. Am häufigsten wurden Prozessionen und überwiegend höfische Jagden in Abbildungen dokumentiert. Jene höfischen Jagden waren gesellschaftliche Ereignisse erster Güte, die der Prachtentfaltung und Selbstdarstellung des Adels dienten. Praktische Erwägungen spielten da keine Rolle, nur die Zurschaustellung von Prunk, Macht und Reichtum. In edelste Materialien gewandet ritten die Damen von Adel zur Jagd. Teils mit fantastischen Hauben, die aus heutiger Sicht als völlig ungeeignet zum Reiten erscheinen. 
   
A
ndererseits gibt es auch seltenere Darstellungen, die adelige Frauen in schlicht wirkender, 'vernünftiger' Kleidung zu Pferde bei der Jagd zeigen. Adelige Damen ritten auch 'für den Hausgebrauch' zur Jagd um den Speisezettel zu ergänzen und ihre Fähigkeiten für die höfische Jagd zu schulen. Denn anders, als uns die Historiker des 19. Jahrhunderts glauben lassen, waren die Damen der Vergangenheit nicht nur passive Zuschauerinnen sondern aktive Teilnehmerinnen der Jagden. Zahlreiche zeitgenössische Bilder, Bücher, Dokumente und Korrespondenzen beweisen dies. Folgerichtig müssten Frauen eigentlich viel öfter in praktischer Kleidung geritten sein, ob zur Jagd oder zur Reise, denn der Alltag nimmt immer mehr Zeit ein, als höfische Feste. Doch ist das Hofleben besser dokumentiert als der Alltag.
    
So war denn bis in die Hochrenaissance Hoftracht auch Reitkleidung.
Die eigentliche Entwicklung einer Reitmode begann in der Renaissance - und nicht, wie oft behauptet, im Barock. So wird in englischen Dokumenten von 'riding attyre' oder 'riding garb' gesprochen. Während anfangs die Damen ihre Garderobe zum Reiten nur mit Handschuhen und kecken Hüten ergänzten, orientierten sie sich in England ca. ab Mitte des 16. Jahrhunderts an der Jagdmode der Herren: Sie verzichteten auf den prunkvollen offenen Überrock und ritten im hochgeschlossenen Herrenwams und geschlossenen Petticoat. Von diesem Zeitpunkt an waren fast immer männliche Kleidungsstücke oder Accessoires Teil der weiblichen Reitkleidung.  
  
Die Beschäftigung mit der Kostümkunde dient durchaus dem Verständnis der Entwicklung der Reiterei der Damen. Bei näherer Betrachtung scheinen die Kleidung der Reiterin, der Bau des Sattels und die Reitweise in engerer Wechselwirkung zueinander zu stehen als irgendwelche Moralvorstellungen. Zum Beispiel hatten Renaissancesättel einen Bogen, durch den der überschüssige Stoff des offenen Überkleides gezogen wurde. Seit- oder Quersättel wurden besonders dann auffällig häufig benutzt wenn die Mode Rockformen diktierte, die zu eng sind, um damit im Herrensitz zu reiten wie in der Früh-Renaissance und während des Empire.                           

Doch nun zu unserer kleinen Modenschau durch die Jahrtausende:

        


Fortsetzung dieses Kapitels folgt demnächst...

Diese Website wird zur Zeit umstrukturiert und neu überarbeitet. Deshalb stehen nicht alle Inhalte online zur Verfügung.
       
Es wird gerade geprüft, ob die sehr grafikintensive Homepage offline als CD zur Verfügung gestellt werden kann. Bei Interesse bitte hier melden.
            
Demnächst führt der Nornenhof ein "Schnupperwochenende" durch, bei dem einige Kapitel der Website vorgetragen werden:

  • Sattelbeurteilung und Auswahl, Messen der Reiterin

  • Geschichte des Damensattels

  • Kostümkunde für Kostüm-, Show- und Fancy-Class

 


Zum Menü