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Während es in England, Frankreich, Spanien und Amerika eine ungebrochene Tradition des Reitens im "Damensattel" gibt, ist in Deutschland das Wissen über diese Reitweise fast vollständig verloren gegangen.   

Warum wurde im Seitsitz oder Quersitz geritten? Wie kam man überhaupt auf diese "abwegige" Idee?

Vielleicht ist einer der ursprünglichen Gründe die Unverträglichkeit des menschlichen Steißbeins mit der equinen Wirbelsäule - wie jeder Reiter , der jemals ein ungesatteltes Pferd, Muli oder Esel ritt, bestätigen kann. Der Quersitz auf dem ungesatteltem Pferd ist ein Entlastungs- und Entspannungssitz.  Das gleiche gilt für einen unergonomischen Sattel, wie er in der Frühzeit des Reitens oft die Regel war.  

Später entstand das Modediktat, da es einfach eleganter aussah im Seitsattel zu reiten.
 

Je weiter man in die Vergangenheit zurückgeht, desto schwieriger wird die Informationssuche. Reitlehren von der Antike bis zur Spätrenaissance haben einen eindeutig militärischen Charakter. Garsault, der erste bekannte Reitmeister, der sich intensiv mit dem Reiten der Damen beschäftigte, lebte im frühen 18. Jahrhundert. Davor ist man auf mündliche Überlieferungen, Statuen, Illuminationen, Gemälde und Stiche, Korrespondenz, Biographien, Chronisten, Rechnungsbücher u.s.w. angewiesen. Ein Informationspuzzle, welches zudem im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext gesehen werden muss. Über die Reiterei wurde vor der Renaissance nur in zwei Szenarien geschrieben: Der Jagd und dem Krieg.  

Die Natur der Quellen (Jagd/Militär) täuscht in diesen Seiten zum Teil eine feministische Tendenz vor. Dies ist darin begründet, dass ausführlich nur über ungewöhnliche Frauen berichtet wurde, die ihre Spuren in der Geschichte hinterlassen haben. Die unbedeutende Hofdame oder Kaufmannsfrau, auch wenn sie eine brilliante Reiterin war, ist kein Stoff aus dem Chroniken oder Vitae erstellt werden. 

Also, feministische Tendenzen sind nicht beabsichtigt! Es erscheint uns unsinnig im Zusammenhang mit dem Seitsattel eine Ideologie durch eine andere, entgegengesetzte zu ersetzen.
  


Über uns

Wir sind eine Gruppe von Reiterinnen aus Hamburg die sich der traditionsreichen Reitweise des Seitsitzes verschrieben haben.
   
Unser Ziel ist es, das Reiten im "Damensattel" zu entstauben, von Vorurteilen zu befreien und wieder als selbstverständliche, alternative Reitweise zu etablieren. 
     
Auf dieser Website mit Kursen und Vorträgen wollen wir allen Interessentinnen unser Wissen, welches wir im Laufe der Jahre zusammengetragen haben, zur Verfügung stellen, um ihnen den Einstieg zu erleichtern. 
      
Wir haben das Glück von einer  Reitlehrerin (FN) unterrichtet zu werden, die nicht nur den Sattel, sondern auch das technische Wissen einer original "Damensattelreiterin" übernehmen konnte. 
   
W
enn wir diese Reitweise erhalten wollen, dann muss sie mit neuem Leben erfüllt werden und darf nicht auf der Stufe einer Schau-Einlage stehen bleiben.     

Einleitung

Es war mühsam, die nötigen Informationen zu finden und sich die Inhalte neu zu erarbeiten. Je mehr Quellen wir erschlossen, desto klarer wurde, dass sie nicht vom Reiten der Frauen der Vergangenheit handeln, sondern vom Reiten der Damen.   Die Primär-Quellen gaben bis zum 19. Jahrhundert praktisch nur Informationen über Adlige. Erst nach der französischen Revolution entdeckte das Bürgertum  im großen Maßstab das Reiten für sich. 

Die früheren Autoren/Innen hielten selten in ihren Büchern fest, was (für sie) selbstverständlich war.   Wie sollten wir die alten Schriften des 19. und 20. Jahrhunderts einschätzen und interpretieren? 
   
Sie widersprachen unseren eigenen  Erfahrungen zum Teil in krasser Weise. Vom unmöglichen Damensattel mit schrecklichen Hörnern war da die Rede, oder davon, dass nur sehr brave Pferde im Damensattel geritten werden durften und  ja nicht ohne (männliche) Begleitung weil der Sattel so unsicher sei und die Reiterin hilflos! 
Unmöglich? Schrecklich? Brave Pferde? Unsicher? Hilflos? Wir dagegen finden den Sattel bequem und sicher, fühlen uns überhaupt nicht hilflos. Zur Korrektur mancher Unart stufen wir den Seitsattel sogar als geeigneter ein als unsere normalen Sättel!  Woher kommt die Diskrepanz?  Sind wir leichtsinnig? 
   
So haben wir zusätzlich zu den Schriften alte Gemälde, Drucke und Stiche herangezogen. An die 5800 Bilder haben wir ausgewertet. Diese zeigten in der Regel ein ganz anderes Bild als die Schriften. Selbstbewusste Amazonen sah man dort, die im "Damensattel" Leistungen erbrachten, bei denen die meisten heutigen Reiterinnen vor Neid erblassen. Sicherlich wurde auch geschönt, dies ist uns bewusst. Doch sollte nicht vergessen werden das Springreiten, das Jagdreiten, Querfeldeinrennen und Military sind Sportarten, die von Frauen ursprünglich im Damensattel ausgeübt wurden. Und diese Tatsache ist klar und eindeutig dokumentiert.
Sehr schnell wurde auch klar,  die strikte Trennung - Reiten im Seitsitz für Frauen/Reiten im Spreizsitz für Männer - kann nicht aufrecht erhalten werden. Bis zum 19. Jahrhundert ritten   Frauen in beiden Reitweisen. Der "Herrensitz" für Frauen ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts!  
         
In einem Jahrzehnte dauernden, unkontrollierten, quellenfernen Abschreibeprozess haben sich die negativen Aspekte der Reitweise bis zur Absurdität gesteigert. Der Sattel hat sich zudem technisch im Laufe der Zeit massiv verändert. 
        
Die Ideologie, die an dem Seitsattel festgemacht wurde, ist ein interessantes Zeugnis des jeweiligen Zeitgeistes (besonders des 19. und frühen 20. Jahrhunderts), wir dürfen ihre Aussagen jedoch nicht unkritisch akzeptieren. 
      

Umstellung

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Umstellung für die Reiterin nicht schwer ist. Anfangs war ich der Meinung, das Reiten im Damensattel sei eine sehr große Umstellung, aber wenn man schon ein bisschen Gefühl für die Bewegung des Pferdes hat, gewöhnt man sich schnell um. Auch für das Pferd ist es bei weitem nicht so schwierig, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. Die Hilfengebung ist fast genauso wie die beim Reiten im Herrensattel, einziger Unterschied ist die Ersetzung des rechten Schenkels durch die Gerte. Wenn eine Reiterin am Beginn ihrer Reiterei eventuell sogar mal voltigiert hat, wird es ihr noch leichter fallen."
(Gabriela Huber, Pferdewirtschaftsmeisterin FN Reiten)

 

Etikette anno dazumal

"...Der Kavalier:
(wie man ihn im 19. Jahrhundert sah)
   

 
(Kommentar: Wenn diese Kriterien tatsächlich zur Anwendung gekommen wären, oder auch nur in der Form nötig gewesen wären, hätte kaum eine Frau jemals ausreiten können...)