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Was trägt die Reiterin wann und wie? 
Die Reitkleidung für das  Reiten im Damensattel wurde im 19. Jahrhundert streng reglementiert. Meist handelte es sich um ungeschriebene "Gesetze", doch wer sie brach - oder noch schlimmer - nicht kannte, wurde Ziel des Spotts und fügte sich gesellschaftlich Schaden zu.  
Die Kleidung der Promenadenreiterin, oder - wie man heute sagen würde - Freizeitreiterin, unterlag nicht so strengen Regeln, wie die der Jagd- oder Schulreiterin. In Großbritannien, Amerika und Australien haben diese Regeln noch immer Bestand und sind in die dortigen Turnierordnungen eingeflossen. Denn Richter und Richterinnen haben es leichter die reiterlichen Qualitäten zu beurteilen, wenn das Erscheinungsbild der Reiterinnen uniform ist. Schöne Kostüme wirken da nur ablenkend. Für sie ist die Kostümklasse da. 
Auch hierzulande orientiert man sich bei Turnieren seit kurzem wieder an dem britischen Reglement. Deshalb haben wir hier für alle Neueinsteigerinnen und Interessierte die Grundlagen zusammengefasst. Doch sollte sich niemand von den Anforderungen abschrecken lassen. Hierzulande wird niemand wegen unkorrekter Kleidung ausgeschlossen oder schief angesehen, jede neue Reiterin ist willkommen. Wichtig ist es zu Reiten, auch wenn Details nicht stimmen.
Die Schwierigkeiten sich  in Deutschland korrekt zu kleiden sind allen Veranstaltern bekannt. Nur die wenigsten Starterinnen in Deutschland tragen Reitkleidung, die den internationalen Anforderungen voll entspricht. 
Das folgende Regelwerk sollte allerdings als Leitfaden dienen, falls frau sich neu ausrüsten will.


Formelle Anlässe

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Das Reitkostüm soll schwarz oder braun sein, auch dunkle Grautöne, dunkelblau, gedeckte Farben und Tweed sind akzeptabel.  Zur kompletten Ausrüstung gehört die Reitschürze,  die Jacke, Reithose, Bluse, Weste, Reitstiefel, ein kurzer, stumpfer Sporn, Hut, Schleier, Schlips bzw. Plastron, Dressurgerte, Handschuhe und evtl. ein künstlicher Haarknoten.


Die Schürze

soll lang genug sein, um im Sattel den rechten Fuß der Reiterin zu bedecken. Der linke Fuß soll - im Gegensatz zum rechten - sichtbar sein. Die Schürze darf zwischen Wadenmitte und Knöchel enden.
Der Stoff falle - im Gegensatz zu den historischen Schürzen - glatt und faltenfrei, mit einer senkrechten hinteren Kante. Der Saum muss gerade und waagerecht, nicht geschwungen sein. Einfarbiger, ungemusterter, schwerer Stoff ist vorgeschrieben. 
       

 


Die Jacke  
muss aus demselben Stoff wie die Schürze sein. Sie ist etwas länger als die normale Reitjacke, bis zur Taille geknöpft und hat zwei Rückenschlitze.
Zierknopflöcher, Hornknöpfe, Zierknöpfe, Kragenspiegel, Applikationen und Stickereien sind verboten.  Die Jacke soll gut sitzen und darf keine Falten am Rücken werfen. 

 


Die Weste

 oder Halbweste darf zartgelb, weiß, cremefarben und Tattersell Check sein. Bei einem Tweedkostüm ist auch eine Tweedweste erlaubt.
     


Die Bluse  
soll einen enganliegenden, hohen Kragen haben, auch ein abnehmbarer Kragen ist in Ordnung. Sie darf weiß oder hellblau sein, uni oder mit Nadelstreifen. Kragenlos ist die Bluse, wenn ein Plastron dazugetragen wird. Die typischen Turnierblusen, zum Beispiel von Frahm, erfüllen die Anforderungen bestens.


Drei Hut-Typen  

sind, abhängig vom Anlass,  vorgeschrieben:

1. Die Reitkappe
DIN-
Reitkappen werden von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr getragen. Schwarz und dunkelblau dürfen die Kappen sein.

2. Der Bowler

auch Melone genannt, ist die Standard-Kopfbekleidung für Turniere und Jagden. Generell soll der Bowler schwarz sein. Wird ein graubraunes Reitkostüm, oder ein Tweedkostüm getragen, dann darf ausnahmsweise eine braune "Melone" getragen werden. Es soll jedoch kein 'normaler' Filzhut sein, sondern ein, den DIN Sicherheitsrichtlinien entsprechender, harter und und splitterfreier Reithut.

3. Der Kronstadt (Zylinder)
wird im Finale von Turnieren  erwartet. Finden Ausscheidungen am Nachmittag statt, so wird auch in diesem Fall ein Zylinder getragen. Der korrekte Zylinder für den Damensattel (Kronstadt) ist höher als der normale Dressurzylinder.
Alle Hüte werden streng horizontal getragen, also nicht seitlich oder nach hinten verschoben. Der Chapeau-Claque vom Flohmarkt oder Opas alter Zylinder werden nicht akzeptiert, sondern nur der den DIN Sicherheitsrichtlinien entsprechende, harte und und splitterfreie Reithut.


Schleier
werden immer zu Bowlern und Dressurzylindern getragen. Sie sollen straff befestigt werden und nicht vor dem Gesicht beuteln. Es soll echter, schlichter Hutschleier verwendet werden, ohne Muster oder Pünktchen. Die Enden werden sorgfältig versteckt, oder zum Sichern des Haarknotens benutzt.


Schlips

Schlips
wird zur Reitkappe und zu Bowlern getragen. Der Schlips soll einen kleinen Knoten haben und von dunkler Farbe sein.


Der Plastron
ist die passende Ergänzung zu einem Dressurzylinder. Aber - Ausnahmen bestätigen die Regel. Auf der Jagd wird der Plastron zu Bowlern getragen, solange das Kostüm nicht graubraun ist! Auf Schmuck ist generell zu verzichten, der Plastron kann jedoch mit einer Schmucknadel oder schlichten Brosche gesichert werden.


Handschuhe
werden immer getragen zu formellen Anlässen. Weiße oder cremefarbene Handschuhe aus Garn, braune Lederhandschuhe oder Waschlederhandschuhe gehören zum Outfit. Schwarze Handschuhe sind verboten! Es sei denn, die Reiterin befindet sich in einer Trauerzeit.

    


Stiefel
Glatte, lange schwarze Stiefel gehören zu jedem Reitkostüm. Zu graubraunen, gelbgrauen oder Tweedkostümen dürfen braune Stiefel getragen werden. Ein Sporn kann am linken Stiefel getragen werden. Der rechte Stiefel darf keinen Sporn haben.


Gerte
Jugendliche tragen eine Dressurgerte bis 76 cm., Erwachsene bis 100cm. Standardisierte Reitstöcke sind als Alternative erlaubt.


Reithosen
In Amerika sollten zum Kostüm passende Reithosen oder schwarze Reithosen getragen werden, in England können auch helle Reithosen getragen werden.
Hierzulande besteht noch keine Regelung, es wäre aber wünschenswert, wenn zumindest ungemusterte Reithosen getragen werden. Die Schürze sollte bei abweichender Farbe der Reithose so lang sein, dass letztere nicht gesehen werden kann.


Frisur
Auch die Frisur ist reglementiert: Kinder und Jugendliche tragen einen Zopf auf dem Rücken mit einem weißen, schwarzen oder dunkelblauen Haarband. Bei einer Kurzhaarfrisur ist ein Haarnetz zu tragen.
Erwachsene müssen einen Nackenknoten (Chignon) tragen, bei dem die Ohren bedeckt sind. Haare und Knoten sollen mit einem Haarnetz und dem Schleier zusätzlich gesichert werden, um ein Lösen der Frisur während des Reitens zu verhindern. Hat die Dame kurze Haare, dann wird (in Amerika und Großbritannien) ein künstlicher Haarknoten verlangt.

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